MusikwerkstattIconMMWrot
Zurück zur  Seite

Als besonderes Merkmal ist diese Philharmonie-Orgel mit einer separaten Echo-Orgel ausgestattet, die mit ihren 349 Pfeifen in einem speziellen Raum oberhalb der Galerie am rückwärtigen Ende des Saales steht. Durch die große Entfernung von über 50 Metern zur Hauptorgel wurde die Ansteuerung mittels elektrischer Verbindung hergestellt. Die Echo-Orgel selber ist vollständig pneumatisch gesteuert. Die dazu notwendige Versorgung mit Saug- und Druckwind erfolgt über einen separaten Gebläseschrank, in dem die 3-stufige Schöpfbalganlage von einem Motor (110V, 67,5Hz!) der Leipziger Fa. Kappa angetrieben wird.

Die Konsole der Orgel, die in der Mitte des Instrumentes hinter einem mannshohen Paneel verborgen ist, hat neben dem Pedal drei statt der üblichen zwei Manuale. Das große Eichengehäuse mit den gewaltigen Ausmaßen von über 9 Metern Breite und 6 Metern Höhe enthält rund 2000 Pfeifen sowie diverse Perkussionsinstrumente.

Die Fa. Welte war ausgesprochen stolz auf diese Installation und zitierte einen Brief Sir David Salomons vom 3.August 1924 in ihrem aufwendig gestalteten Verkaufskatalog für die Philharmonie-Orgeln:

Ihre hier installierte große Orgel hat die Bewunderung von Allen, die sie gehört haben hervorgerufen und sie hat Hunderte von Personen erfreut. Das Manual zusätzlich zum automatischen System hat einen großen Gewinn gebracht. Die Echo-Orgel trägt erheblich bei zu den Effekten, die erzeugt werden können. Als Ingenieur und Mechaniker kann ich mit Überzeugung sagen, daß die Orgel ein mechanisches Kunstwerk ist, jedes Detail zeigt, wie viel Geist und Genialität in ihren Bau eingeflossen ist.

Sir David Lionel starb 1925, sein einziger Sohn war im ersten Weltkrieg gefallen. Infolgedessen stiftete die letzte verbliebene Tochter Vera Bryce Salomon das Gut in Broomhill 1938 der Grafschaft Kent. Heute ist das Salomon-Centre ein Teil des Canterbury Christchurch University College.

Die Bedeutung der Welte-Orgel in Tunbridge Wells wurde schon länger erkannt, obwohl das Instrument seit 1940 stumm war. Es steht heute noch an seinem ursprünglichen Standort im Science Theatre. Ein Antrag auf Hilfe bei der Finanzierung der Restaurierung wurde bei der Staatlichen Lotteriegesellschaft (National Lotterie Heritage Fund) gestellt und es ist eine Ehrung aller über die Jahre an diesem Projekt Beteiligten, dass letztendlich ein erheblicher Zuschuss bewilligt wurde. Der Vertrag zur Restaurierung, der strenge Richtlinien zur Erhaltung der Originalsubstanz enthält, wurde an die bekannte Londoner Firma Mander Organs vergeben, die überregionales Ansehen in Bau und Restaurierung von Orgeln genießt. Die Firma hat kürzlich die Überholung der größten Orgel in England abgeschlossen, der Grand Organ in der Royal Albert Hall in London und wird bald mit der Überholung der bedeutenden Orgel in der St. Paul’s Kathedrale beginnen.

Die kompletten Arbeiten an der pneumatischen Steuerung und den Spieleinheiten wurden den Firmen AC Pilmer Automatic Music in Rufforth, York, und der Musikwerkstatt Monschau anvertraut. Diese spezialisierten Firmen arbeiten mit dem Team von Mander Organs zusammen, um die Welte-Philharmonie-Orgel mit der Echo-Orgel wieder in spielfähigen Zustand zu versetzen. Die Komplettierung der Orgel wird zum Jahresende 2005 angestrebt.

Zurück zur  Seite