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Im Gegensatz zu den Cottage-Orchestrien Nr. 1 bis 8, die eine Notenrolle mit 75 Spuren benötigen, wird auf den Modellen 9 und 10 eine Rolle mit 120 Spuren verwendet . Zum Glück sind diese Notenrolle noch heute im Archiv der Sir David Salomon Society vorhanden

Als nach der Jahrhundertwende der technische Fortschritt bei der Firma Welte zur Entwicklung des Welte-Mignon-Reproduktionsverfahrens führte, erwarb Sir David Lionel im Laufe der Jahre zusätzlich zwei weitere Welte-Mignon-Instrumente, die auch in den noch vorhandenen Unterlagen erwähnt werden. Über den Erwerb des ersten Welte-Mignon- Instrumentes sind bisher noch keine weiteren Aufzeichnungen gefunden worden. Über das zweite Instrument gibt es jedoch einige konkrete Fakten.

Durch einen puren Zufall sind einige Verkaufs-Journale der Londoner Niederlassung von Steinway & Sons in die Hände von Rex Lawson aus London geraten. Ein handschriftlicher Eintrag zeigt auf, das im April 1918 ein Steinway-Welte-Flügel an Sir David Salomon in Tunbridge Wells geliefert wurde. Der Eintrag enthält den ausdrücklichen Hinweis, das zu diesem Instrument ein spezieller Motor für 110 Volt und 67,5 Herz zu liefern ist!

Als von der Firma Welte die Welte Philharmonie Orgel entwickelt wurde, mit der es zum ersten mal möglich war, das reale Spiel weltbekannter Organisten originalgetreu wieder zu geben, war Sir David Lionel sogleich daran interessiert, diese neueste technische Entwicklung in sein Heim zu holen. Im Sommer 1913 bestellte er über die Londoner Vertretung von Welte, Steinway & Sons, eine große Welte-Philharmonie-Orgel mit dem neuen Notenrollentyp mit 150 Spuren. Im noch erhaltenen Kaufvertrag wird ausdrücklich die Inzahlungnahme des Cottage-Orchestrions Nr. 10 durch Steinway & Sons erwähnt, jedoch bestand Sir David Lionel darauf, das vorhandene musikalische Rollenrepertoire des Orchestrions mit 120 Spuren weiter benutzen zu können, weil die meisten Musikstücke des Cottage-Orchestrions nicht für die Philharmonie-Orgel verfügbar waren.

So wurde also bei Welte eine einmalige Sonderanfertigung hergestellt, die Orgel musste nun mit zwei komplett separaten Spielapparaturen versehen werden, da die beiden Notenrollentypen grundsätzlich unterschiedlich konzipiert waren. Die dafür notwendigen Veränderungen und Ergänzungen an der pneumatischen Steuerung waren unzählig und derart umfangreich, dass dazu einige Baueinheiten als Einzelstücke entwickelt und angefertigt werden mussten. So ist die in der Orgel vorgefundene komplexe Registersteuerung einmalig und ein Stück genialer Ingenieurkunst.

Durch die tief greifenden Umbauten verzögerte sich die Auslieferung, doch Sir David Lionel konnte bei einem Besuch der Welte Fabrik am 27. April 1914 das dort aufgestellte Gehäuse und den Fortschritt der Arbeiten begutachten. Mit einer zusätzlichen Echo-Orgel ausgestattet war dies wohl das größte von der Fa. Welte jemals hergestellte Instrument seiner Art und wurde letztendlich im Juli 1914 in 45 großen Packkisten nach Broomhill geliefert.

Wenige Tage nach dem Eintreffen der letzten Transportkisten erklärte am 4. August 1914 Großbritannien dem Deutschen Reich den Krieg, was dazu führte, dass die Monteure der Fa. Welte nicht mehr zum Aufstellen des Instrumentes nach England fahren konnten. Da sich jedoch ein Mitarbeiter von Welte, Johann Kaut (1880-1961) noch in England befand, begann er bereits am 1. August mit den Arbeiten. Da er alleine nur mit Hilfe von einigen Arbeitskräften vor Ort das Instrument aufbauen konnte, dauerten die Arbeiten bis Mitte Dezember anstatt der geplanten zwei Monate. Anschließend war Johann Kaut bis zum Ende der Feindseligkeiten als Kriegsgefangener auf der Isle of Man interniert.

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