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Zur Geschichte der wohl größten noch erhaltenen Welte Philharmonie Orgel der Welt

in Tunbridge Wells, England

 

Wissenschaft und Technologie faszinierten Sir David Lionel Salomon aus Broomhill bei Tunbridge Wells sein ganzes Leben lang. Das von seinem Onkel im Jahre 1873 geerbte Vermögen erlaubte ihm, trotz seiner aktiven Rolle im öffentlichen Leben diese Interessen intensiv zu verfolgen. Seine Interessengebiete umfassten Mechanik und Elektrizität ebenso wie Chemie und Photographie, dazu beschäftigte er sich als Handwerker mit Holz, Elfenbein und Metall. Er erfand 1870 einen elektrischen Kameraverschluss und bekam vier Jahre später ein Patent erteilt für die Entwicklung eines elektrischen Signalsystems für Eisenbahnen.

Sir David Lionel war aber auch ein kundiger Motoren-Ingenieur und war die zweite Person in England, die einen "pferdelosen Wagen" -einen französisches Peugeot-Wagen - in England besaß. Obwohl Automobile zu dieser Zeit weit gehend noch unbekannt waren, organisierte er bereits 1875 in Tunbridge Wells die erste Automobil-Ausstellung in England. Später gründete er einen Automobil Verband, den Vorgänger des heutigen Royal Automobile Club (RAC). Sir David Lionels vielfältige Interessen führten dazu, dass über Jahrzehnte ständig umfangreiche bauliche Erweiterungen an sein Anwesen angefügt wurden. So errichtete er 1876 einen Wasserturm und 1882 diverse Werkstatträume. Der Bau einer architektonisch außergewöhnlichen Stallanlage im Stile eines französischen Schlosses wurde 1890 begonnen. Nach vier Jahren Bauzeit betrugen die Kosten 27.000 Pfund, eine unvorstellbare Summe zu dieser Zeit. Anschließend wurde mit dem Bau des damals größten privaten Theatersaales in England begonnen, in dem noch heute die Welte-Philharmonieorgel steht.Von Sir David Lionel wurde in Broomhill in einem separaten Gebäude eine von ihm entwickelte und gebaute, von einem Gasmotor betriebene Generatorenanlage installiert. Somit war sein Haus als eines der ersten Anwesen in England weit vor der Jahrhundertwende bereits mit einer privaten Stromversorgung versehen, die nicht nur elektrisches Licht lieferte, sondern auch zu weiteren bahnbrechenden Erfindungen führte. Die erste elektrische Nähmaschine sowie diverse weitere Geräte wie z.B. ein elektrisches Bügeleisen wurden von ihm entwickelt. Dabei ist bemerkenswert, dass sein Generator 110 Volt mit 67,5 Herz lieferte.

 

Es wird daher nicht überraschen, dass Sir David Lionel auch von mechanischen Musikinstrumenten fasziniert war. Insbesondere die Produkte der Firma M. Welte & Söhne fanden sein Interesse. Deren Orchestrien mit dem damals gerade entwickeltem pneumatischen Papierrollen-System und elektrischem Motorantrieb waren der neueste Stand der Technik und zudem auch ein begehrtes Statussymbol. Er zögerte also nicht, für das neu errichtete Theater sofort ein Welte-Cottage-Orchestrion Nr. 4 in Freiburg zu bestellen. Seine Begeisterung für die Welte-Cottage-Orchestrien war so groß, dass einige Jahre später dieses Instrument dann durch das größte und wertvollste Instrument, das damals überhaupt erhältlich war, ersetzt wurde.

 

Eindrucksvoll wurde auf der Theaterbühne ein prächtiges Konzert-Orchestrion Nr. 10 der Firma Welte auf einem Podest errichtet. Für dieses Instrument erwarb Sir David Lionel im Laufe der Zeit eine bedeutende Sammlung dieser heute extrem seltenen Notenrollen.

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